Wandel als einzige Konstante

Strategisches IT-Management / Wandel als einzige Konstante
Die 17. Handelsblatt-Tagung Strategisches IT-Management 2011 brachte an drei Tagen und in 26 Vorträgen die CIO-Aufgaben dieses Jahres auf den Punkt. An Tag Eins beschäftigten sich Referenten und Teilnehmer in München mit Change- und Optimierungsstrategien.

Einfachheit ist das Gebot der Stunde
Matthias Moritz, CIO Bayer HealthCare beschäftigte sich mit dem Thema „Wandel beherrschen in einer beschleunigten Welt.“ Sein Motto: Nur was sich verändert, bleibt. In Anspielung auf den Kult-Charakter der Apple-Geräte sagte Moritz: „”iWant”-Devices sind die beliebtesten in unserm Unternehmen – und sie treiben den Wandel.“ Und zwar den in Richtung  Konsumerisierung der IT. Wichtigste Auswirkung der „Konsumerisation“, also der Fokussierung auf den Konsumenten und seine ausufernden Datenspuren im Netz sei, dass Unternehmen bereits heute und vor allem in Zukunft  mit riesigen Datenmengen umgehen und diese aussieben, bewerten und nutzbar machen müssten. Das bringt Moritz zufolge aber auch Vorteile. Mit Streamlinen und Ordnen habe er bei Bayer HealthCare seit meinem Diensteintritt die Healthcare-Kosten um rund 30 Prozent senken können. „Unsere User,“ so Moritz, interessiert nicht die Komplexität der Lösung, sondern die Einfachheit der Nutzung.“

Heinz Laber, CIO der UniCredit, berichtete in München über die Einführung des neuen Kernbanksystems bei der UniCredit Group. Die Liveschaltrung des EURO SIG erfolgte im Sommer 2010, am Sonntag, den 1.8. Am Dienstag darauf gab es bereits sehr gute Performancedaten und Antwortzeiten in den rund 600 Filialen mit etwa 2.500 Mitarbeitern in Deutschland. Die Kundenzufriedenheit lag sofort bei 93 Prozent, die Business-KPI´s waren schon am zweiten Tag nach der Umstellung auf normalem Niveau. Deutschland ist das vierte Land des internationalen Rollouts bei der UniCredit.

Andreas Degenhardt, Senior Vice President (SVP) und Head of global Application Management bei der Siemens IT Solutions and Services GmbH referierte zum Thema „Applikationsmanagement, von der Manufaktur zur Fabrik. Erfolgsparameter für die Industrialisierung des App-Managements.“ Seinen Worten zufolge müssen Applikationsmanagement-Services absolut einfach sein. Ihre Aufgabe sei es, wachsende Komplexität im Hintergrund zu managen und sie müssten verlässlich und preisgünstig sein. Erreichbar sei dies mit der Standardisierung von Infrastruktur, Prozessen, Tools und Skills! Mit Industrialisierung sei die Siemens-Lösungssparte in der Lage, mit bis zu 30 Prozent Kostenvorteilen profitabel arbeiten zu können.

Es folgte ein Beitrag über die so genannte „Schatten-IT“, also das, was in der IT an den Business-Prozessen und ihrer IT vorbei geht, aber trotzdem existiert. Was lässt sich dagegen tun? Dazu Ingo Nuccio, Senior Director Business Partner Systems & CTO bei der Bombardier Transportation GmbH. Nuccio dazu: „Verstehen wir als IT wirklich, was unsere internen Kunden bewegt?“ Shadow-IT komme immer dort vor, wo die Unternehmens-IT nicht hinreichend organisiert sei. Sein Lösungsansatz: Die Unternehmens-IT sollte an einer Verzahnung mit der Shadow-IT interessiert sein! Dies führe zu weniger Geräusch, zu mehr Produktivität und bringe unter anderen gemeinsames Talent Management. 
Michael Gorriz, CIO der Daimler AG und diesjähriger Award-Preisträger, referierte das spannende Thema Lean-Prinzipien im IT-Management Um das Lean-Prinzip im Unternehmen zu implementieren, zwingt die IT jede Abteilung, ein kleines Lean-Projekt in einer Woche mit nachweisbaren Ergebnissen zu bauen. Für Gorriz ist Lean eine Art Bewegung, eine neue Kultur des immer neuen Lernens, die mit wenig viel erreichen kann. Die zwar Tools hat, sich aber nicht zu schade ist, diese permanent weiter zu entwickeln. Es geht also zunächst um Selbstorganisation, dann um Zusammenarbeit, schließlich um Prozesse und Kennzahlen. „Diese vier Säulen sehen wir als integrierten Ansatz, um Verbesserungen in unserer Organisation zu erreichen“, sagt Gorriz.

Selbstlernen und SelbstoptimierenDas Lean-Thema aus der Sicht eines kleineren Unternehmens beleuchtete Michael Tschöpke, CIO des Automobilzulieferers Keiper GmbH & Co. KG. Tschöpke zufolge ist Lean notwendig, weil zunehmende Automatisierung koordiniert werden müsse, Globalisierung und hoher Wettbewerb herrsche und gleichzeitig kürze Produktlebenszyklen und erhöhte Gemeinkosten bewältigt werden müssten. „Nur wenn man das lean macht, kann man profitabel bleiben“, so der Keiper-CIO. Sein Rezept besteht aus Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit. Gelebtes Prozesswissen sei wichtig. Die vorgelagerten Prozesse müssten wissen, was die nachgelagerten mit ihren Ergebnissen machen. Und die Organisation müsse in den Zustand des Selbstlernens und der Selbstoptimierung übergehen. Der dafür notwenige Mindset-Wechsel werde dann erreicht, wenn das Top-Management die Lean Administration als die richtige Vorgehensweise anerkennt. Das mittlere Management müsse die Aktivitäten ihrer Mitarbeiter fördern. Die Mitarbeiter schließlich sollte intensive Schulungen erhalten. Dadurch würden alle Mitarbeiter immer stärker in den Sog der Lean Administration herein gezogen. Das habe bei Keiper zu gutem Erfolg geführt: Durchlaufzeiten seien um bis zu 40 Prozent verkürzt worden und Arbeitsaufwände um bis zu 30 Prozent reduziert worden.

Cloud und Social Networks als die großen TrendsAnanth Krishnan, Vice President und CTO bei Tata Consultancy Services (TCS) sprach zum Thema IT-Innovation als Enabler für Busines Innnovation. „Big Story“ im Innovationssektor sei derzeit das Cloud Computing. Bei der Cloud gehe es um Skalierbarkeit, einfache Nutzung  und granulare Kosten. Aber das allein sage noch nichts über ihre strategische Bedeutung aus. Spannend werde es dann, wenn Unternehmen es schaffen, mit dem richtigen Cloud Management aus den vielen Angeboten genau die richtige Mischung für den eigenen Unternehmensfortschritt zusammen zu stellen. Zweiter großer Trend in den Unternehmen seien Social Networks. Wichtigster Punkt hierbei sei, dass Begeisterung und Business zusammenwachsen. Als dritten Trend führte Krishnan  das Thema Analytics an. Business Analytics-Ergebnisse müssten in Zukunft noch wesentlich stärker in die Geschäftsprozesse einfließen, Stichwort „Information Fusion“. Hier wäre es Aufgabe der IT, Texte, Bilder, Video und Daten zu integrieren, und zwar mittels semantischer Technologien. Wichtigster und größter Trend aber sei der Ruf nach Vereinfachung der Infrastrukturen und nach Transformation: „IT ist nach wie vor komplex und teuer, sie lässt sich in der Tat effizienter, transparenter und agiler gestalten.“

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