Rückblick

28. Juli 2010

Innovation meets Business

Nachbericht zur 16. Handelsblatt-Jahrestagung Strategisches IT-Management, 25.-27. Januar 2010, München

München/Düsseldorf, 3. Februar 2010. Mit ihren Strategien für die nächsten fünf Jahre müssen CIOs die IT ihre Unternehmen über schwieriges Terrain balancieren. Gefordert ist der Ausgleich zwischen Agilität, Kostenmanagement, Innovationsfähigkeit und Wertschöpfungsbeitrag. Auf der 16. Handelsblatt-Jahrestagung Strategisches IT-Management letzte Woche in München steckten 40 Referenten gemeinsam mit über 200 Teilnehmern das Umfeld ab, in dem die Unternehmen durch IT ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können.

Motivierte Mitarbeiter für innovative IT
Für Bayer Business Services-Vorstand und Konzern-CIO Daniel Hartert sind Agilität und Innovation eng miteinander verbunden: “Die Frage ist, wie proaktiv wir in der IT sind und neue Produkte bereitstellen, die für das Unternehmen Relevanz haben. Gefragt ist beispielsweise intelligentes Supply Chain Management (SCM), um die Bestände herunterzufahren.” Hierfür biete das Internet mittlerweile eine sehr einfache Umgebung an, die selbsterklärend, ansprechend und damit hervorragend geeignet sei, um Innovationen zu befördern. Partizipatorische Infrastrukturen, so Hartert, müssten massiv Einzug in die Unternehmen halten. Nötig hierfür seien vor allem aber entsprechend fähige und motivierte Mitarbeiter, sowohl in den Fachabteilungen, als auch in der IT, für die die verfügbaren Arbeitsmittel eine intellektuelle Herausforderung darstellen.

Dirk Olufs, CIO Europe bei DHL Express, muss dagegen ganz andere Herausforderungen meistern: “Wir hatten in 2009 krisenbedingt einen Umsatzrückgang um 20 Prozent, was sich sofort auf unser IT-Budget niederschlug.” Das führe zu den bekannten Problemen: 2008 heraus wurde zu viel Technik geplant und eingekauft – 2009 musste alles möglichst schnell wieder zurückgefahren werden. Mit insgesamt 180 Einzelmaßnahmen wie dem Abklopfen sämtlicher Applikationen auf Redundanzen und Verzichtbarkeit, der Definition strategischer Lieferanten, dem Aufbau eines motivierten IT-Teams und nicht zuletzt einer Neudefinition der Beziehungen zu den Fachabteilungen konnte Olufs einen größeren zweistelligen Millionenbetrag einsparen und die Kosten um 18 Prozent senken.

Wenn Maschinen sprechen
Der Europachef des ICT-Dienstleisters Orange Business Services Helmut Reisinger gab in München Beispiele für lohnende Blicke über den Tellerrand. Afrika, lange Jahre wegen schlechter Netzversorgung und astronomischer Preise noch absoluter Außenseiter in der Internetwirtschaft, werde derzeit insbesondere von chinesischen Anbietern als Wachstumsmarkt entdeckt. Als kleinen, aber feinen Techniktrend bezeichnete Reisinger das so genannte “Internet der Dinge”. In Zukunft werde die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation eine immer größere Rolle spielen und dazu führen, dass private Heizungsanlagen mit Wartungszentralen und Hausbesitzern kommunizieren, dass Ampeln, Kontrollbrücken und Leitsysteme den Autoverkehr in Städten umweltfreundlicher regeln oder dass Herzschrittmacher ihre Daten selbständig an den behandelnden Arzt übermitteln. Unternehmen müssten ihre IT darauf vorbereiten, zukünftig nicht nur mit Millionen individueller Kunden, sondern auch mit Milliarden kommunizierender Geräte interagieren zu können.

TED-Umfrage unter IT-Chefs ergab: Krise wirkt über 2010 hinaus
Nach ihren Perspektiven für die nächste halbe Dekade befragt, gaben die CIOs ein realistisches Stimmungsbild wieder. Auf die Frage, wie lange sich die Wirtschaftskrise auf die Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik auswirkt, gaben 62,1 Prozent der Teilnehmer an, dass die Auswirkungen der Krise über das Jahr 2010 hinausgehen. Mit 37,9 Prozent sind nur gut ein Drittel der Befragten der Ansicht, dass die Auswirkungen der Krise auf die Jahre 2009 und 2010 begrenzt bleiben. Zu den zentralen Themen für das Jahr 2010 befragt (Mehrfachnennungen möglich), stand für die IT-Verantwortlichem die Kostensenkung mit 188 der abgegebenen Stimmen an oberster Stelle, gefolgt von Innovation mit 166, sowie Industrialisierung der IT mit 107 und Service- bzw. Kunden-Orientierung mit 105 Stimmen. Themen wie Cloud Computing (33) oder Green IT (20) standen entweder noch nicht oder nicht mehr oben auf der Agenda.

Einen Einblick in die zunehmend hohe Bedeutung der so genannten “Prosumer” für die Kundenbindung in Unternehmen gab auf der Handelsblatt Tagung Achim Feige, Markenberater bei der Nürnberger Brand:Trust GmbH. “Nicht der Bekanntheitsgrad ist wichtig, sondern begehrenswert zu sein,” skizzierte Feige die neue Sicht auf Kunden, die mit intensiver Webtechnik-, Blog- und Foren-Nutzung selbst zu Produzenten ( Pro ducer) werden und nicht mehr nur Konsumenten (Con sumer ) sind. Die Prosumer leisten Feige zufolge aktive Markenbildung, indem sie Produkte in ihren Communities kommentieren und bewerten. Hinzu komme der Trend, Communities und Ökologie zu verschmelzen: “Angesagt sind immer mehr Tesla (Elektro-Auto) statt Porsche und “Landlust” statt “Spiegel” oder andere Politik- und Wirtschaftstitel.” In der IT komme es daher jetzt darauf an, die neuen Wertesets mit entsprechender Technik zu bedienen.