Nachbericht
Nachbericht zu 16. Handelsblatt Jahrestagung Strategisches IT-Management
Cloud Computing wird klassische ERP-Systeme ablösen
Der richtige Mix aus Technik und Know how hilft aus der Krise
Düsseldorf/München, 26.1.2010. Mit Themen wie der weiteren Verschmelzung von Business und IT, der Integration von Webtechnik und der Industrialisierung von IT ist die 16. Handelsblatt Jahrestagung „Strategisches IT-Management“ gestern gestartet. Bis zum 27. Januar trifft sich das Who´s Who der IT-Branche zum „Strategiegipfel der CIOs und IT-Manager“ in München.
„Interoperabilität und Agilität sind hier die Zauberworte“
Vor über 200 Teilnehmern erörterten die Referenten am ersten Tag die aktuellen Trends bei den Basics des IT-Government. So gehe es beim Architekturmanagement (AM) nicht mehr nur darum, sich möglichst elegant vom IST zum SOLL zu bewegen. Vielmehr müssen IT-Chefs sich nach den Worten von Gartner-Manager Axel Jacobs permanent auf verändernde Umgebungen, Geschäftsmodelle und Dienstleistungen einstellen: „Möglichst hohe Flexibilität im AM ist gefragt, denn die Unternehmenmüssen eine nicht planbare Evolution managen. Interoperabilität und Agilität sind hier die Zauberworte.“
Auf dem Weg in die Cloud
Interessantester Schwerpunkt des ersten Tages war die Bewertung der Entwicklung im Bereich Cloud Computing, also dem Ansatz, Software und Services aus dem Netz zu beziehen und seine IT-Prozesse darauf abzustimmen. Gerade letzteres, das wurde in München deutlich, fordert von de Unternehmen noch viel Abstimmungsarbeit. Trotzdem setzen bereits viele Firmen entsprechende Projekte auf. Norbert Kleinjohann, CIO der Siemens AG, setzt auf Commodity Thinking & Acting, um sich dem Thema Cloud Computing adäquat zu nähern: „ Wir wollen mit Cloud Computing Kosten senken, die Krise bewältigen und Innovationen fördern. Die entscheidende Frage dabei ist keine technologische, sondern vielmehr die, wo bei den Geschäftsprozessen des Unternehmens durch eine individuelle Vorgehensweise ein Wettbewerbsvorteil erzielbar ist oder wo Standards günstiger sind.“ Darum habe die Siemens AG Standardisierung auf den Begriff Commodity gebracht – was am besten von der Stange zur IT passt, wird genommen. Und genau solche standardisierten Produkte und Services gebe es immer öfter auch aus der Cloud.
Dieter Sinn, Managing Partner bei Sinn Consulting fasste bezüglich Cloud Computing zusammen, dass es in Zukunft nicht mehr nur CRM-Software oder SOA-Module, sondern auch ERP-, also betriebswirtschaftliche Standardsoftware statt von SAP aus der Wolke geben werde. Der Siemens-CIO Kleinjohann merkte sogar an: „Wir sind mit den ERP-Systemen in einer Sättigungsphase, das Thema Wertbeitragsgenerierung durch ERP ist durch. Das machen wir in Zukunft nicht mit neuen ERP-Versionen, sondern mit kombinierten Tools aus der Cloud.“ In diese Kerbe schlug auch Google-Produktmanager Nitin Mangtani: „Es geht um Innovation. Cloud Computing erlaubt es uns, alle zwei Wochen neue Applikationen auf den Markt zu bringen.“
Radikal denken
Nach wie vor kämpfen IT-Abteilungen mit sinkenden Budgets. So beklagte auch Jürgen Krusch von der Deutsche Bank Bauspar AG die geschrumpften finanziellen Spielräume und die daraus erwachsenden schwierigen Bedingungen. Seine Antwort: „Radikal denken. Jeden Tag systematisch mit heutigen Denkprozessen brechen. Das sorgt für die nötige Offenheit und Geschwindigkeit bei der anstehenden Transformation. Wir müssen ganze Businesssegmente neu strukturieren.“ Krusch brachte gleich auch einen Vorschlag für die mentale Bewältigung der Krise mit: „Pet your head and tap your belly!“ Koordiniertes Kopfklopfen und Bauchmassage als meditative Hilfestellung beim Problemlösen – „Warum nicht“, konstatierten die beiden Tagungsleiter Walter Brenner und Thomas Hemmerling-Böhmer unisono.
Fabrikprozess-Unterstützung ist das Gebot der Stunde
Detlev Klage zufolge, Geschäftsbereichsleiter der Sparkassen Finanz Informatik, muss IT alle Geschäftsprozesse des Unternehmens aus einem Guss unterstützen. „Fabrikprozess-Unterstützung ist das Gebot der Stunde und die Rolle des Architekturmanagements ist es, Wiederverwendbarkeit von IT-Ressourcen zu fördern.“ So hat die Sparkassen Informatik ihre Ressourcen in den Jahren 1997 bis 2008 von elf Rechenzentren auf eines konsolidiert und dadurch 600 Millionen Euro pro Jahr eingespart. Derzeit läuft der Migrationsprozess aller Anwendungen auf ein zentrales System und soll nach Auskunft von Klage Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein.
Markus Müller, IT-Leiter des Allianz Konzerns, geht so weit zu sagen, dass jedes Versicherungsprodukt im Grunde Software ist. Damit stelle jede IT-Verbesserung am Ende bares Geld dar. Wer so pragmatisch an IT herangeht, dem ist es gleich, mit welchem Anbieter er sein Shared Service Center (IT-Jargon für Rechenzentrum) ausstattet. Hauptsache, so Müller, die Profitabilität steigt: „80-90 Prozent der Einsparungen bekommt man meist auch mit vorhandenen Tools hin. Wichtig ist das gemeinsame Geschäftsmodell.“
Das Programm ist im Internet abrufbar unter www.it-jahrestagung.de, Bilder zur Tagung sind ebenfalls online: http://www.konferenz.de/fotos-strat-it2010
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