Mobile Kooperation

Strategisches IT-Management / Mobile Kooperation
Die Handelsblatt-Tagung Strategisches IT-Management brachte an drei Tagen und in 26 Vorträgen die CIO-Aufgaben diesen Jahres auf den Punkt. An Tag Zwei beschäftigten sich Referenten und Teilnehmer im zweiten Konferenzteil mit dem Thema Mobile Kooperation.

Daten nicht isolieren, sondern gegenseitig nutzbar machen. Olof Schybergson, Chef des norwegischen Designbüros Fjord, entwickelte in München Ideen zum Thema „Next Generation Devices für Next Generation Users“. Schybergson startete mit großer Perspektive und skizzierte die von unserer Zivilisation bis dato beschrittenen drei Wellen der Mobilisierung. Die erste sei mit dem Auszug des Homo sapiens aus der Wiege der Menschheit in  Afrika erfolgt. Die zweite habe mit dem Umzug vom Land in die Städte stattgefunden. Die dritte sei jetzt mit dem Wandel vom Einzel- zum Massen-Individuum im Gange. Augenfällige Tendenzen seien dabei die des “free time merge” (Aktivitäten mit Gleichgesinnten in der Social Media teilen),  die Konsumerisierung der Arbeit (private Nutzungsweisen von Smartphones und Tablet-PC schlagen sich auf das Geschehen am Arbeitsplatz nieder) oder “Liquid Service Experiences“ (Mitarbeiter definiere sich und ihre Arbeit über Netzprofile und Netskills). Der Fjord-CEO geht sogar noch einen Schritt weiter: „In Zukunft werden die Geräte die Nutzer und ihre Eigenschaften reflektieren müssen.“ Das bedeutet: zunächst einmal verändern die Geräte die Verhaltensweisen ihrer Nutzer. Dann entstehen neben Geräten, die viele Funktionen in sich vereinen (iPad, Playbook, etc.) solche, die nur eine Funktion haben (Ericsson-Mobile TV, Amazon Kindle, etc.). Danach kommt die App-Welle, wo Hardwarehersteller sich über Anwendungen definieren. Die Cloud schließlich werfe die Frage auf, wie Kunden Apps wirklich annehmen. An dieser Stelle kommen smart caching- (wo wird gespeichert?) und smart syncing (mit wem oder was synchronisiere ich mich?) ins Spiel. Wie? Das drückt Schybergson so aus: „Daten wollen nicht isoliert irgendwo gespeichert werden, sondern locker da rumhängen, wo sie für andere Daten interessant werden.“ In Zukunft geht es daher um Service Design.

Zuhören, was die Fans sagen. Jan Brecht, CIO der Adidas AG, bezeichnete das Zuhören als die wichtigste Eigenschaft bei der Social Media. „Wir haben bereits rund 10 Millionen Freunde bei Facebook, denen wollen wir zuhören. „Zuhören“ heißt für uns, dass wir öffentlich verfügbare Daten strukturiert suchen und auswerten.“ So seien die derzeit über 500 Millionen Teilnehmer in Facebook phantastisch viele Leute, die Unternehmen mit Social Media-Tools „verstehen“ könne. Dieses „Verstehen“, verbunden mit der operationellen Exzellenz (also der Fähigkeit, Daten und Informationen mittels IT augenblicklich in Entscheidungen umsetzen zu können), erlaube es, schneller als der Wettbewerb auf Nutzertrends reagieren zu können. „Zuhören“ sei demnach „Social Media Analysis“ und neben dem CIO etabliere sich in einigen Unternehmen auch schon der „Chief Listening Officer”. Mobile Endgeräte sind für Brecht nicht aufgrund ihres Formfaktors interessant, sondern als ein Tool, mit dem sich der „for free“-Ansatz des Festnetz-Internet überwinden lasse. Denn im Mobilfunk seien die Kunden bereit, zu bezahlen. Und sei es nur über indirekte Verfahren wie Bezahlen mit der  Akzeptanz von Werbung und Identifizierung oder mit dem Verschenken von Aufmerksamkeit und Empfehlung.

CIO als Chief Integration Officer. Klaus Straub zufolge, CIO der Audi AG, wird die IT in zehn Jahren eine noch viel größere Rolle spielen als heute. Denn mit den neuen Devices in den Autos wie WLAN-Hotspot, Audi Online Services oder Car 2 Car-Kommunikation steige die Komplexität. Kein Wunder, so Straub, dass Audi-Chef Rupert Stadler auf der Computer Electronics Show Anfang Januar in Las Vegas sagte, Audi werde ein Software-Unternehmen! „Für mich ist ein CIO ein Chief Integration Officer, der die demografischen und damit nutzerbezogenen Veränderungen antizipieren muss“, skizzierte Straub die Richtung für IT-Verantwortliche und führte weiter aus: „Intern müssen traditionelle Arbeitskonzepte verändert werden. Hierbei leiten “digital natives” die Zeitenwende der Unternehmenskultur und damit die der Unternehmens-IT ein.“ Kombiniert mit einer neuen Portalwelt und einem Content Management System werde ein Dienstleister (www.jivesoftware.com) bei Audi daher die Social Media einführen. Für die Integration mobiler Endgeräte und vor allem die der darauf laufenden Apps habe seine IT ein device-unabhängiges Architekturmodell gebaut, mit dem Audi eigene Enterprise-Apps bauen und Apps anderer Anbieter auf sicheren Betrieb überprüfen werde.

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