Cloud Computing

Strategisches IT-Management / Cloud Computing
Die Handelsblatt-Tagung Strategisches IT-Management brachte an drei Tagen und in 26 Vorträgen die CIO-Aufgaben dieses Jahres auf den Punkt. An Tag Zwei beschäftigten sich Referenten und Teilnehmer im ersten Konferenzteil mit dem Thema Cloud Computing.

Neue Geschäftsmodelle durch die CloudTimothy Chou, Lehrbeauftragter an der Stanford University und Direktionsmitglied des Serviceanbieters Blackbaud aus Stanford, USA, leitete das Cloud Computing (CC) als logische Fortsetzung der Veränderungen im Vertrieb von Software und Services her. Chou zufolge steckt die Innovation bei CC im neuen Geschäftsmodell. Computation, also alles, was Unternehmen bislang an Anwendungssoftware, Verarbeitungs- und Speicherleistung oder Infrastruktur einzeln oder im Bündel kaufen konnten, wird bei CC standardisiert. Es ist wiederholbar und es wird zusätzlich um eine neue Vertriebsdimension erweitert. Währung ist nicht mehr direkt Geld, sondern es kommen indirekte Vergütungsmodelle wie Werbung, Aufmerksamkeit oder Empfehlung hinzu. Beispiele: aperiodic bursting: man akzeptiert, dass Verkaufserfolge nur in einigen kurzen Momenten extrem hochfahren. Das sorgt Chou zufolge für genügend Umsatz, aber man müsse die IT technologisch darauf vorbereiten, denn mit diesen Peaks müssen die Server zurechtkommen. Oder Financial Services mit Computern, die ausführliche Risikoanalysen durchführen und ihre Dienstleistungen exakt davon ableiten. Chou´s Website-Empfehlung hierzu lautet: www.cloudbook.net . Hier würden eine Fülle von CC-Services vorgestellt. Und Timothy Chou´s Buch zum Thema hat schlicht den Titel „Cloud“.

Communities sinnvoll nutzenPatrick Howard, Partner und Vice President bei IBM, referierte über die „Generation Open“ und stellte CC als ein radikal neues Modell für Softwareabsatz und offene Kooperation dar. Howard sprach angesichts der gegenwärtigen Situation bezüglich CC von Paradoxien. Erstes Paradoxon: Alles werde schneller, gleichzeitig werde Qualität verlangt – das gehe nicht. Vor allem nicht im Markt für mobile Applikationen. Zweites Paradoxon: Es gehe doch, und zwar mit community-basierten Modellen für die Bereitstellung von Software und IT. Das heißt mit Mitarbeitern, die im Netz zu Hause sind. Und  durch die Nutzung von Communities, die virtuell arbeiten, agil sind und kooperieren können, die mit wiederverwendbaren Komponenten arbeiten und auf weltweit verfügbaren Plattformen zu Hause sind. Mit Software und Services, die demnach auf Social Media-Plattformen entstanden sind, hat IBM 30 Prozent schnellere Auslieferung, 20 Prozent höhere Qualität und 20 Mal bessere Wiederverwendbarkeit erreicht. Und hat dabei in 30 Monaten die Kosten um 33 Prozent gesenkt. Inzwischen beschäftige das Unternehmen heute rund 7.000 registrierte so genannte “Liquid Player”, also Mitarbeiter, die sich in die neue Arbeitsweise exakt eingefügt, sich ihr angepasst haben – und sich permanent weiter in diese Richtung entwickeln. Howard dazu: „Das bringt uns als IBM weiter nach vorne und damit stehen wir in der Reihe der schnell wachsenden Internet-Companies wie Facebook oder Google.“

Neue Kommunikationsformen überholen E-MailMarc Benioff, Gründer und Chef von Salesforce, bezeichnete das „Enterprise Cloud Computing” als die Zukunft der IT-Industrie. Unternehmen könnten ihre Dreijahres-IT Kosten um bis zu 54 Prozent senken. Als wichtigsten Aspekt beim CC hob auch Benioff die wachsende Bedeutung der Social Media hervor. So sei Social Networking dabei, E-Mail als klassische elektronische Kommunikationsform zu überholen. Das bedeute, dass Mitarbeiter in Zukunft Informationsaustausch (Mail), aber auch Marktforschung (Freunde zu Gruppen zusammenfassen und befragen) oder Werbung (Services vorstellende und erklärende Videos posten) auf Plattformen wie Facebook integriert nutzen würden. Daher erlebe die IT-Welt derzeit den “Facebook Imperativ”. Hierzu zeigte ein Mitarbeiter von Salesforce München eine Anwendung auf Basis des Unternehmensprodukts „Chatter“: Sichtbar war auf den ersten Blick nur eine Oberfläche für CRM mit Reitern, Personen etc. Über einen Button unter dem Personenfoto aber erschien als nächste Ebene eine Art Enterprise-Facebook. Darin waren unter anderem Vorgänge aus Drittsystemen in Echtzeit zusammengebracht und davon ausgehend ließen sich Meetings vereinbaren oder Marketingaktionen aufsetzen. Chatter ist ebenfalls für iPad, iPhone, Blackberry oder Android-Geräte adaptiert, sodass Mitarbeiter auch unterwegs in Echtzeit Groupware nutzen oder an Meetings teilnehmen können. Und zwar alles inklusive der bei Facebook üblichen Benachrichtigungs- und Steuerungsfunktionen!

Microblogging wird immer wichtigerJesper Ritsmer Stormholt, Regional Director DACH und Nordic bei Google Enterprise, sprach über die Zukunft des Arbeitsplatzes in der Cloud und verwies auf die veränderten Rahmenbedingungen beim CC. Diese seien im Wesentlichen die Verschiebungen bei der Inhalteproduktion und -Verwertung durch Social Media sowie die Überall-Verfügbarkeit von Informationen und Services durch digitale Mobilität. Daher müsse Info-Overload in Wissen verwandelt und der Tatsache ins Auge geblickt werden, dass  2012 bereits rund 50 Prozent der Geschäfte mit Produkten und Dienstleistungen von Microblogging, also Erwähnungen oder Empfehlungen in der Social Media, ausgelöst sein würden. „In naher Zukunft“, so Stormholt, „müssen Inhalte in der Lage sein, den zu finden, der sich für sie interessiert.“ Um das zu bewerkstelligen, würden Unternehmen mit Google Apps eigene Mashups bauen oder mit Google Mail ihre Mailsysteme so ordnen können, dass sich damit die Kommunikation ihrer Mitarbeiter steuern lasse.

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